„Mythen immer neu erzählen – magische Momente möglich machen“

Ich lebe und arbeite als freischaffender Kostüm- und Bühnenbildner in Wien und arbeite in zahlreichen europäischen Theatern in den Bereichen Musiktheater, SprechtheaterMusical und Operette, ebenso wie Ballett und Tanz.

Die von mir entworfenen abstrakten Bühnenbilder sind Denkräume und bieten für Regisseure eine enorme Vielfalt an Bespielmöglichkeiten. Bühnenräume sind für mich immer „erzählende Räume“ – sie ermöglichen, unterstützen und beflügeln das Spiel. Meine Bühnenräume sind Räume, die sowohl durch abstrakte Leere, als auch barocke Üppigkeit sprechen und erlebbar werden.

Meine Tätigkeit als Kostümbildner sehe ich ähnlich wie die eines Bildhauers; der Hauptgedanke ist die Erschaffung einer dreidimensionalen Form der Figur, als Ausdruck ihres Charakters. Meine Kostümideen entspringen meist der Isolierung einer historischen Silhouette. Die Kostüme sind nicht nur Bekleidung auf der Bühne – sie sind Teil des Ganzen, Teil der Handlung. Gedachte Hüllen, mit denen gespielt wird und die – wie die Bühnenräume – bespielt werden. Die zusammen mit der darstellerischen Kraft von Sängern, Schauspielern oder Tänzern Charaktere offenbaren, eine Bewegung innehaben und zugleich Überraschungen bergen.

Das Ziel meiner Arbeit ist es jenen „magischen Moment“ spürbar zu machen, in dem Musik, Darstellung, Raum und Kostüm im Kopf des Zuschauers zu einem Ganzen vereinigt werden. Für mich sind  die Zuschauer mit ihrer Fantasie Mitspieler der theatralen Szenerie.  Ähnlich wie in der Religion interessiert mich am Theater, wo Wissen in Ahnen, Spüren, Erahnen und Glauben übergeht. Perfekte Theatermomente sind jene, bei denen Fühlen das Denken ersetzt, und man doch alles versteht.

„Die Wiederherstellung der Verbindung von Raum, Kult und Gewandung“

Liturgie, religiöses Feiern, ist auch Heiliges Spiel aller. Die Herausgehobenheit und Erhabenheit liturgischen Feierns soll ihre Entsprechung in Stil, Form und Farbe der verwendeten Gewänder und Geräte erhalten.

Als freischaffender Kostüm- und Bühnenbildner beschäftige ich mich, neben meiner Tätigkeit am Theater, auch sehr intensiv mit der Entwicklung sakraler Gewandung. Liturgie, liturgisches Gewand, liturgische Geräte stellen für mich als Künstler und Christ eine große Herausforderung dar. Ich benutze das Sakralgewand nicht als Leinwand, um mittels Malerei oder Stickerei Symbole oder Muster zu applizieren, sondern erarbeite die Gewänder über ihre schnitttechnische Gestaltung.

Für mich sind die Themen Transzendenz, Sehen und Nichtsehen, Verhüllen und Sichtbarmachen wesentliche Gestaltungselemente meiner Arbeit. Hierbei geht es mir nicht um Modernismen, sondern um eine Wiederherstellung der Verbindung von Kult und Gewandung. Meines Erachtens ging sie durch die industrielle Herstellung der liturgischen Gewänder und deren Gestaltung, die oftmals nur reine Dekoration ist, verloren.

Die Grundfragen, die mich bei meinen sakralen Arbeiten leiten, sind, was eine Person, einen Priester, in einem sakralen Raum, bei sakraler Handlung, beim Heiligen Spiel würdig macht, und welches textile Mittel eingesetzt werden kann und muss, um diese Würde zu unterstützen.

Für mich sind immer zwei Komponenten wichtig: Zum einen die Feier der Eucharistie als Zentrum religiösen Lebens und Handelns, in der liturgische Gewandung gebraucht und eingesetzt wird. Zum anderen die Person des Trägers, dessen Bewegungen und Bewegungsabläufe das Sakralgewand unterstützt und unterstreicht. Hier sind sowohl für Priester wie auch für Laien, die einen Gottesdienst leiten bzw. bestimmte Dienste in ihm übernehmen, Möglichkeiten zu entwickeln, die dem Geheimnis Raum geben.

So sehe ich das sakrale Gewand auch als Objekt in einem bestimmten kirchlichen Raum. Das heißt, das Gewand sollte nicht nur für eine konkrete Person, sondern auch für einen bestimmten Raum gestaltet werden. Im Idealfall ist ein sakrales Gewand für eine(n) bestimmte(n) Priester/Person und einen bestimmten sakralen Raum konzipiert.

„Museum – ein theatraler Raum“

Unter meiner künstlerischen Gesamtleitung entstehen Gestaltungskonzepte für Museen und Ausstellungen sowie Installationen innerhalb von Ausstellungen. Museen sind in der hier gemeinten Form im besten Sinne theatrale Orte. In Theater und Museum werden Geschichte und Geschichten erzählt. Es sind Orte der Präsentation und der Repräsentation. Die Aufgabe eines Bühnenbildners – genau wie die Aufgabe eines Raumgestalters – ist es Inhalte in Formen zu übersetzen, und dadurch erzählende Räume zu schaffen. Auf der Bühne sind Sänger, Schauspieler oder Tänzer die Hauptdarsteller; im Museum sind es die Ausstellungsobjekte. Darsteller und Ausstellungsobjekte wollen und müssen ins rechte Licht gerückt werden! Die Räume sind dazu da, ihnen die gewünschte Aura zu verschaffen bzw. sie so zu unterstützen, dass sie ihre eigene Aura entfalten können, damit das Spiel zwischen Objekt und Betrachter beginnen kann, die Objekte ihre Geschichte erzählen können und der Betrachter das Museum bereichert wieder verlässt.

Kunst

In meinen freien Arbeiten spüre ich den Fragestellungen, welche sich aus meinen anderen Arbeitsgebieten ergeben, weiter nach. Das Verhältnis von Personen, Menschen, Figuren und Raum. Wie spiegelt sich der Charakter einer Person in ihrer Bekleidung wider, oder auch, welche Rückschlüsse lassen die Bekleidung oder Accessoires auf den Träger hin zu? In der kunstgeschichtlichen Tradition wurden Bildtypen entwickelt, sei es in der orthodoxen Ikonenmalerei, sei es allgemein in der christlichen Kunst oder auch im repräsentativen (Herrscher-) Porträt. Diesen Mechanismus aufgreifend bzw. umkehrend, entwickle ich aus den Attributen oder Haltungen meine Porträts. Hier steht die Auseinandersetzung mit dem Bild und Abbild des Menschen in seiner Fragmentierung im Zentrum meines Interesses. Wieviel braucht es von einem Menschen, um ein Porträt herzustellen? In Rauminstallationen reagiere ich auf die einzelnen Räume und deren Inhalte – seien sie von bauhistorischer oder funktionaler Bedeutung. Ich orientiere mich dabei an den Fragen: Wie kann ich die Spannung des Raumes visualisieren oder die Verbindung aus Inhalt und Form herstellen ?